Trotz der hohen Geschwindigkeit ist die Fahrt irgendwie langweilig. Ich könnt mir ja danach noch nen Film ausleihen. Vielleicht mal wieder der Streifen, in dem so ein Kerl auch immer den gleichen Tag erlebt. Soll eine Komödie sein aber ich finde ihn unlogisch. Hab ihn bestimmt über 100 Mal gesehen und mir fallen trotzdem immer noch Fehler auf. Hört sich vielleicht blöd an, aber der Film hat am Anfang ein wenig geholfen mit der Situation klarzukommen. Man konnte die gröbsten Fehler vermeiden.
Nur eins frag ich mich ständig: Warum ich?
Weil Menschen töten mein Beruf ist? Da gab es doch bestimmt noch andere. Aber vielleicht war ich ja der Beste? Solche Sachen machen mich schon ein wenig neugierig. Aber jedes Mal wenn ich nachfrage, bekomm ich keine richtige Antwort. Er ist der Meister der nichtssagenden Antworten. An die Zeit vor den Zeitschleifen kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Das ist wohl noch ein Opfer das ich bringen muss.
Ich bin endlich angekommen. Diese Villa beeindruckt mich jedesmal aufs Neue und das sogar nach dem tausendsten Mal wo ich hier bin. Nicht das ich das Ding besonders schön finde. Nein, wirklich nicht. Ich glaube es ist einfach nicht mein Stil. Aber diese Bauweise verschafft ihm irgendwie Respekt. Sieht aus wie ein Haufen riesiger Würfel aus Beton. Drumherum ein großer Rasen. Akkurat geschnitten, nur nirgendwo Blumen. Es macht den Anschein als wäre das ganze Areal nur zum Nutzen da, ohne jeglichen Anschauungswert. Es versucht halt normal auszusehen. Und verdammt, das macht es echt gruselig.
Schon wieder keine Überraschung. Die Tür ist mal wieder nicht verschlossen und es bietet sich wie immer das gleiche Bild. Dieser dunkle, lange Hausflur von oben bis unten mit dunklem Holz verkleidet. Auf den Boden ist ein alter, roter Perserteppich ausgelegt. Das alles scheint gezwungen rustikal wirken zu wollen. Also müssen Außen- und Innenarchitekt ziemlich verschiedener Meinung gewesen sein. Haben sich am Schluss bestimmt gegenseitig umgebracht und danach hat man es aus Faulheit so gelassen. Könnte es mir nicht anders vorstellen.
Auch wenn es zwei verschiedene Stilverbrechen sind, machen beide den gleichen unbehaglichen Eindruck. Denn das einzige das in diesem Flur nach Aufmerksamkeit schreit, ist der Perserteppich und fünf Türen. Zwei auf jeder Seite und eine geradeaus. Und genau durch diese Tür geh ich jetzt, weil mich der Flur nervt.
Ich komme ins Besprechungszimmer, bestehend aus einer riesigen Glasfront. Ein herrlicher Blick auf die bergige Landschaft. Der Boden besteht aus glänzendem, schwarzem Marmorboden. Alles ziemlich kalt aber wahrscheinlich noch das Schönste an dem Gebäude. Ein kleiner Beistelltisch und ein großer roter Ledersessel. Und in diesem Sessel sitzt er. Der Big Boss. Ein von mir erfundener Name da ich seinen richtigen Namen nicht kenne. Diese Taktik alles Unerklärliche selber Namen zu geben, hat mir in meiner Situation sehr geholfen. Sonst muss man alles „Dies und Jenes“ taufen. Da kommt man leicht durcheinander.
Da steht er also. Wie immer. Mit dem üblichen Umschlag. Ein Kerl, um die 70, in einem schwarzen Anzug. Und damit mein ich wirklich schwarz. Schwarzes Jackett, schwarzes Hemd, schwarze Hose und Schwarze Lackschuhe. Wenn man die Augen ein wenig zukneift, sieht es fast so aus als würden seine Schuhe mit dem Boden verschmelzen. Find ich irgendwie witzig.
Er ist ein wenig dicklich mit spärlichen grauem Haar, geschleimt zurückgekämmt. Er steht da und starrt mich an. Na gut, dann fang ich halt mal wieder an zu sprechen.
„Hi.“
„Hallo Fred.“
Irgendwie klingt er jedes Mal wie ein General. So unglaublich wichtig. Doch diese Tour zieht nicht mehr bei mir. Deshalb versuch ich ihn ein bisschen damit zu verarschen. Frag mich nur ob er das schon mal gemerkt hat?
Ich hör ihm trotzdem aufmerksam zu.
„Ich hab hier wieder einen Umschlag von dringlicher Wichtigkeit.“ Sagt er ziemlich klischeehaft.
„Wie lautet die Zeitspanne?“ spiel ich lächelnd zurück.
„14 Tage“
„Personen in unmittelbare Nähe?“
Diese Frage ist mir immer sehr wichtig. Man darf bei solchen Aufträgen nur das Hauptziel töten. Unbeteiligte dürfen verletzt aber nicht umgebracht werden. Diese Regel wurde mir von Anfang an klargemacht und daran werde ich mich auch strikt halten. Wenn die mir jeden Tag ein anderes Frühstück zubereiten können, dann können die mich bestimmt auch zu jeder Zeit in Streifen schneiden. In dieser Sache bin ich ziemlich vorsichtig. Obwohl ich mich schon immer gefragt habe, was wäre wenn ich sterbe. Würd ich trotzdem um 7Uhr aufwachen? War noch nicht mutig genug es auszuprobieren. Aber ich hör jetzt lieber mal dem Big Boss zu.
„Ja, drei Mitbeteiligte in näherer Umgebung.“
Sehr gut, das macht die Sache spannender.
„Näheres im Umschlag.“ Spricht er weiter und hält mir den Umschlag hin.
Ich nehme ihn, nicke und grinse.
„Ciao.“ drehe mich um, gehe in Richtung Tür und hoffe das er nichts mehr sagen will. Und es funktioniert. Ich bin draußen. So muss es sein. Kurz und schmerzlos. So läuft es eigentlich immer seitdem ich keine Fragen mehr stelle. Bekam sowieso keine Antworten.
Werfe den Umschlag auf den Beifahrersitz mit der festen Überzeugung ihn erst in 24 Stunden zu öffnen. Hab ja alle Zeit der Welt. Werde heut Abend mal wieder die Sau raus lassen.
Fortsetzung folgt…

2 Kommentare:
Hi!
Ui, das wird ja immer besser. Ich bin echt beeindruckt wie gut es geschrieben ist. Ich find dass auch der Schreibstil immer besser wird. Die Co sagte mir vor kurzem auch wie gut sie es findet. Also die Thematik ist zwar nicht so ihr Ding, aber sie findet es sehr gut geschrieben. Soviel zu mir und Co. Mach weiter.
Gruß,
Ella
hey ... super geschrieben =) finde auch, dass du das echt gut schreibst ... bin begeistert. hoffe bald mal wieder von dir zu hören =)
komm mal wieder online.
liebe grüße jana =)
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