2008/12/09

teil2

Hier in meinem Bett. Genau 7 Uhr. Warum schaue ich eigentlich immer noch jeden Tag drauf? Nur um irgendwann mal eine Ungereimtheit festzustellen? Verdammt. Es ist genau 7 Uhr. Nicht früher, nicht später. Würde gern wissen wie die das machen. Der Zuständige muss eine klasse Funkuhr haben. Selbst dann müsste aber irgendwann mal ein Fehler passieren. Wahrscheinlich ist es einer, der wie der Rest zum Automatisierungsprozess gehört. Wenn das sein Job ist, tut er mir leid.
Kann mir am Tagesanfang schon über so einen Scheiß Gedanken machen. Also muss ich topfit sein. Wie immer. Und das obwohl ich schon seit Jahren nicht mehr geschlafen habe. Hab ich in der Zeit aber auch nie vermisst.
Ich schau mich in meinem Schlafzimmer um und bin total entspannt. Ein großer, beiger Traum. An der Wand über meinem Bett hängt ein großes Gemälde eines irischen Künstlers, der sich vor zwei Jahren mit einer Überdosis ins Nirwana geschossen hat. Hab mir erzählen lassen er wäre die neue Hoffnung der internationalen Kunstszene gewesen. Er hat an jedem Bild akribisch lange gearbeitet. Immer so zwei bis drei Jahre. Deswegen ist die Farbschicht so dick. Er hat anscheinend immer wieder was drüber gepinselt, bis im Endeffekt ein komplett neues Bild entstanden ist. Er steckte wirklich viel Mühe in seine Werke. Wie der Künstler hieß? Hab ich vergessen. Was das Bild zu bedeuten hat? Hab ich auch vergessen. Mir haben einfach die Farben gefallen.
Ich sollte aufstehen. Ich richte mich auf und ein schönes und ein mieses Gefühl überkommt mich. Ein schönes Gefühl von meinen nackten Füßen die sich in meinen warmen, flauschigen Teppich graben und ein mieses Gefühl von meinem nackten Oberschenkel, der das kalte Holz meiner Bettkante berührt. Physik ist halt nicht zeitabhängig.
Mein erster Weg geht ins Esszimmer. Dafür muss ich erst durchs Wohnzimmer. Irgendwie komisch. Wie klein eine riesige Couch aussehen kann wenn das Zimmer so groß ist. Und wie immer ist dieser verdammte Glastisch wieder total sauber. Vor noch ungefähr 30 Minuten waren dort alle möglichen Drogen und Körpersäfte drauf verteilt. Ich finde es wirklich schade. Er hat so gut nach Muschis gerochen. Das fiel mir auf als ich eine Line darauf gezogen habe. Jetzt erinnere ich mich wieder. Hab die Frauen nackt auf den Glastisch sitzen lassen, während ich sie von unten betrachtete. Ein Anblick den man nie mehr vergisst. Ich liebe diese Nuttenorgien. Die schreien nicht gleich los wenn man mal auf sie pinkelt oder sowas. Nicht das ich auf sowas stehe, aber manchmal macht man sowas wenn man high ist.
Mein Blick wandert weiter zu meinem 56 Zoll Plasma, den ich vor ein paar Stunden bei einem Horrortrip mit Benzin übergossen und dann angezündet habe. Jetzt hängt er wieder an der Wand als wär nix passiert. Aber das bin ich ja gewohnt. Nur macht das meine Taten oft ziemlich sinnlos. Hab eigentlich schon lang nicht mehr fern gesehen. Aber auch kein Wunder, kommt ja sowieso immer nur das Gleiche. Kenn die Lottozahlen schon auswendig. Na ja, vielleicht schau ich heut Abend mal rein. Nur der alten Zeiten Willen. Die hätten mich sonntags rekrutieren sollen wenn wenigstens ein paar Filme laufen. Scheiß drauf. Wär genauso langweilig.
Ich laufe weiter in das Esszimmer. Frühstück. Das unsichtbare Hausmädchen hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Rührei mit Tomaten und Champignons, frische Croissants und original französische Marmelade. Meine Lieblingssorte.
Komisch. Das Frühstücksmenü ändert sich täglich. Warum schaffen die das nicht auch beim Fernsehprogramm? Werde nachher mal fragen. Genau. Nachher. Ich hasse diese festen Termine. Dadurch kann mich heute nicht frei entfalten. Die halbe Stunde muss ich wohl opfern. Eigentlich bescheuert. Lebe wie ein König, hab soviel Zeit wie sonst keiner und beschwer mich trotzdem.
Nach dem Frühstück schleif ich meinen Hintern widerwillig in meinen 67er Mustang. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km pro Stunde rase ich durch die Innenstadt. Ich fahre kleine Umwege wenn mal wieder zufällig eine Polizeistreife umher fährt. Nach all den Jahren weiß man zu jeder Zeit wo sich die Schweine gerade aufhalten. Radarkontrollen? Interessieren mich nicht.
Es hat halt Vorteile immer wieder den gleichen Tag zu erleben.


Fortsetzung folgt…

Keine Kommentare:

 

kostenloser Counter
Poker Blog