2008/12/01

Das Dach eines Hochhauses, warum sehen die nur alle so verdammt gleich aus? Warum liegt eigentlich immer dieser Kies rum. Hat das irgendeinen Grund? Verdammt, ich mach mir wieder Gedanken über irgendeinen Schwachsinn. Ich hab wichtigeres zu tun. Ich hab die Nummer schon ins Handy eingetippt, Bluetoothverbindung steht, die Uhr läuft und vielleicht verteilen sie den Kies, damit Leute wie ich hier nicht unbemerkt bleiben. Oh Mann. Bleib wach. Du hast es schon tausendmal durchgeplant. Egal, es wird hundertprozentig funktionieren. Aber ich will es perfekt haben. Schade das ich es nicht filmen kann. Hör auf. Es wird Zeit.
14:32:16. Die magische Zeit. Jetzt noch schnell das abgebrochene Metallrohr in die Hand nehmen, und über den Rand des Daches halten. Verdammt schwer das Scheißding. Sehr gut. Positionscheck. Ich schaue runter. Zwischen den Füssen liegt ein ovaler, braungetönter Stein und gleich daneben ein echt unförmiger Grauer mit dunklen Flecken. Perfekt. Liste komplett. Jetzt fängt die Entspannungsphase an. Der Spaß beginnt. Verdammtes 50 Stockwerke Hochhäuser. Aber man gewöhnt sich dran. Bin ich High? Warum bin ich so unkonzentriert. Verdammte Gewohnheit. Schluss jetzt. Tippe auf anruf.
Tuut, tuut, tuut, tu…
„Hi?“
Dieser Idiot Martin Scheittmann. Fett, mit Halbglatze in einer Cordjacke und er meldet sich mit einem hippen Hiiii. Mit so einem leicht schwuchteligen Unterton.
„hallo“ melde ich mich trocken um nicht auch so dämlich zu klingen. Und es macht mich auf eine unbestimmte weise kaltblütiger. Glaub ich zumindest.
„Wer spricht?“
Am Anfang hatte ich noch Probleme damit meinen wahren Namen zu sagen, bis mir bewusst wurde das es egal ist. Der Name ist in ein paar Stunden sowieso wieder vergessen.
„Fred.“
„Wer zum Teufel bist du?“ antwortet er übertrieben cool.
„Du schuldest gewissen Leuten was und hast es nicht bezahlt. Und da meine Klienten die Geduld verloren haben, bin ich jetzt hier. Ich bin sozusagen die ausführende Kraft.“
„Leck mich…“
„Nur damit du es verstehst: Meine Klienten haben ihre Entscheidung schon gefällt. Dieser anruf hier ist aus reinen Höflichkeitsgründen. Und weil es mir dann irgendwie mehr Spaß macht“.
„Leck mich, du Penner. Ich bin hier auf einem öffentlichen Platz. Überall Zeugen und freies Sichtfeld. Was machst du, Arschloch. Na, was machst du?“
Er hat verdammt recht. Er sitzt gemütlich auf einer Bank in der Stadtmitte. Um ihn herum nur Leute und Hochhäuser. Keine Bäume, keine Büsche und alles flach. Sein Plan geht auf. Nur das mir diese sogenannten Probleme total am Arsch vorbeigehen.
Er ist sichtlich aufgeregt. Das erkennt man weil er ziemlich aggressiv redet. Verursacht bei mir nur ein schmunzeln. Er kräht ein paar wirklich unzüchtige Worte ins Telefon. Ziemlich asoziale Wörter, wie ich finde. Aber es passt zu ihm. Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Nur noch ein paar Sekunden muss ich das Geschwafel ertragen.
8,7,6,5,4,3,2,1….
Ich lass das Rohr fallen. Jetzt kommt der witzige Teil.
Er schwafelt und schwafelt und schwafelt und schwa…. Jetzt. Absolute Stille. Es hat funktioniert. Eine leichte Gänsehaut überkommt mich. Bin ich gerade etwas geil geworden? Hab ich einen Ständer gekriegt? Ich schau nicht nach, weil ich mir sonst ein wenig psychotisch vorkommen würde.
Egal, es hat geklappt.
Ich stürze in den Fahrstuhl hinein. Muss es sehn, muss es sehn, muss es sehn. Freue mich wie ein kleines Kind. Es war ja perfekt durch geplant. Es konnte gar nicht schief gehen. Tausendmal ist es an ihm vorbeigerast und hat ihn nicht mal gestreift.
Ich komme unten an und da sehe ich ihn. Es ist ein Bullseye geworden. Je näher ich komme, desto mehr sehe ich die Perfektion. Das Rohr bohrte sich schnurgerade durch ihn hindurch. Er sieht aus wie ne zermatschte Tomate. Sein ganzes Innenleben quillt aus seinem aufgerissenen Arschloch raus und verbreitet sich gemächlich unter der demolierten Bank. Kreischende und kotzende Passanten versammeln sich um den eingedrückten Haufen Fleisch und Darm. Als ich ihn noch näher betrachte und seine Haltung studiere, fällt mir auf das er kurz vor dem Aufprall hochgeschaut haben muss. Wie schön. Er hat es auf sich zukommen sehn.
Jetzt hab ich definitiv einen Ständer. Versuche mit dem Mantel es zu verdecken und laufe grinsend nach Hause. Das war definitiv ein toller Tag. Leider werd ich nie sehn was sie in den Zeitungen darüber schreiben. Was für ein Jammer.

Ein langsam lauter werdender Lärm. Ziemlich undefinierbar. Klingt wie eine kaputte Waschmaschine mit pulsierenden Stampflauten. Je lauter dieser Lärm wird, desto mehr steigt dieser Schmerz in meinem Schädel. Kein richtig schlimmer Schmerz. Nach den ersten paar Male wurde er fast beruhigend. Wahrscheinlich hab ich mich daran schon gewöhnt. Immer lauter. Irgendwas blendet mich. Als es nicht mehr lauter werden kann, zieht sich ein weiterer, extremerer Schmerz durch meinen Kopf. Als würde jemand einen spitzen Hammer durch mein Gehirn ziehen. Und eins weiß ich. An das werde ich mich nie gewöhnen.

Und ich liege in meinem Bett.

Fortsetzung folgt …

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gut geschrieben. Ich möchte mehr lesen. Ich hoffe da kommt noch was...

Ea hat gesagt…

Sicher kommt da was, oder es wird aus ihm rausgeschüttelt. Es ist Sonntag Herr Florsch und ich warte auf Teil zwei und Anschauungsmaterial.
Du kennst meine Meinung^^

 

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